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Sind Sie ausreichend geimpft?
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Sind Sie ausreichend geimpft?
Zur Zeit grassiert in Berlin eine Masernepidemie. Auch im Raum Basel treten immer wieder die Masern auf. Wie kann das sein? Das ist doch nur möglich, wenn wir alle nicht ausreichend geimpft sind. Besonders die Beschäftigten im Gesundheitswesen sollten sich um einen ausreichenden Impfschutz kümmern, denn wer geimpft ist, kann die Infektion auch nicht weitertragen.
aus "Podologie Schweiz" 2/2015 download als pdf-File
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Empfehlung des BAG
Für die Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (=BAG) den Beschäftigten im Gesundheitswesen (=BiG), sich gegen Hepatitis B, gegen Masern, Mumps und Röteln, gegen die Influenza, gegen Diphtherie und Tetanus, sowie gegen Hepatitis A und Meningokokken impfen zu lassen. Darüber hinaus empfiehlt das BAG die Impfung gegen Keuchhusten, Pneumokokken und Varizellen.
Hepatitis B
Die Hepatitis B ist eine hochinfektiöse, von Mensch zu Mensch übertragbare Viruserkrankung. Über Blut und Blutprodukte sowie beim Sexualkontakt kann es zu einer Infektionen Ungeimpfter kommen. Schon kleinste Mengen eingetrockneten Blutes sind noch wochenlang infektiös. Wer krank ist, entwickelt nicht immer die typische Gelbsucht. Auch wenn sich viele Kranke sehr schlecht fühlen, gibt es doch eine nicht kleine Zahl Hepatitis B Infizierter, die sich recht gesund fühlen und das Virus unbemerkt verbreiten. Im Gegensatz zur harmlosen Hepatitis A können sich aus einer Hepatitis B schlimme Folgekrankheiten entwickeln: blitzschnell verläuft die fulminante Hepatitis, die in der Regel tödlich endet; die chronische Hepatitis begleitet den Kranken über Jahre und Jahrzehnte und geht häufig in die Leberzirrhose über; das Hepato-zelluläre Karzinom HCC entwickelte sich typischerweise auf der Grundlage einer solchen Leberzirrhose. Im ungünstigsten Fall zerfällt die Leber quasi und es tritt das Leber-Koma und schließlich der Tod ein.
Der moderne Hepatitis B Impfstoff besteht aus einem von Hilfepilzen hergestellten Hüll-Eiweiss, er enthält also gar kein infektiöses Virus-Erbmaterial. Die Auffrischung sollte alle 10 Jahre erwogen werden, auch wenn wahrscheinlich nach der dritten Hepatitis B Impfung eine vollständige und lebenslange Immunität besteht.
Masern
Masern, Mumps und Röteln werden heute mit der MMR-Impfung abgedeckt. Die Masern werden durch das Masernvirus hervorgerufen, das hochinfektiös als Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch springt. Typischerweise zeigen Erkrankte ein kleinfleckiges Exanthem, bei alten Menschen fehlt es häufig. Das Gefährliche an einer Maserninfektionen sind die Komplikationen: Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, schlimmer noch die Enzephalitis, die zum Tode führen kann. Unter wenigen tausend Infizierten erleidet stets einer die SSPE, die Subakut-sklerotisierende Pan-Enzephalitis. Diese Form der Hirnentzündung verläuft schleichend: Monate bis Jahre nach der Infektion verliert der infizierte Mensch nach und nach seine geistigen Fähigkeiten, sein Hirn wird quasi "ausgehöhlt", schliesslich fällt das Kind oder der Jugendliche ins Koma und stirbt viele Jahre nach der eigentlichen Maserninfektion.
Der moderne Masernimpfstoff ist ein auf abgeschwächten Viren basierender Impfstoff, der natürlich selbst keine Krankheit erzeugen kann. Gleichwohl treten bei etwa fünf Prozent der frisch Geimpften ein schwacher Masern-ähnlicher Ausschlag auf. Die Impfung kann lebenslang nachgeholt werden. Zur Zeit ist das BAG bemüht, die Durchimpfung der Schweizer Bevölkerung zu verbessern und übernimmt deshalb die Kosten für die, die noch nicht vollständig geimpft sind. Der MMR-Impfstoff schützt auch vor der Mumps und den Röteln.
impfen_randbild1 Was ist eigentlich, wenn jemand, der bereits immun ist (weil er die Krankheit schon einmal hatte), dennoch geimpft wird? Dann fängt das Immunsystem des bereits Immunisierten alle erkannten Bestandteile des Impfstoffes weg und der Immunisierte spürt davon praktisch nichts. Diese Impfung kostet also nur Geld, sonst macht sie nichts.
Die Influenza, die "Grippe"
Die Influenza wird heute in der Allgemeinbevölkerung unterschätzt. Die Influenzaviren, die immer wieder aus Wasservögeln über Haustiere auf den Menschen gelangen, können nicht nur eine heftige Atemwegsinfektion hervorrufen, sondern bieten den geschwächten Körper weiteren Viren und Bakterien quasi auf dem Silbertablett an: stark geschwächte Influenzakranke sterben dann an bakteriellen Pneumonien und Meningitiden. Das Influenzavirus ist sehr variabel, zudem grassieren verschiedene Varianten der Viren, die wir mit H und N genauer kennzeichnen. Etwa alle 30 Jahre breiten sich besonders gefährliche Influenzaviren weltweit aus, eine Pandemie entsteht. Eine Impfung schützt, auch wenn wir mit dem Impfstoff im heutigen Jahr nur die Situation des letzten Jahres nachbilden können: Eine Grippeimpfung kann also nie zu 100% schützen, weil sich die Viren in der Zwischenzeit verändert haben. Eine Grippeimpfung erlaubt aber dem Immunsystem, Influenzaviren überhaupt kennenzulernen. So ist der, Jahr für Jahr immer wieder Geimpfte besser geschützt als Jeder nicht oder nur selten geimpfte. Übrigends: "gripan" bedeutet in den germanischen Sprachen eigentlich nur "krank". So kann man verstehen, das mit "Grippe" ganz verschiedene Krankheiten benannt wurden: Sommergrippe (eine Salmonellen-Infektion) oder "grippaler Infekt" (also "schnupfen", "Erkältung" oder "common cold" - eine durch viele verschiedene Viren verursachte Atemwegserkrankung, gegen die wir noch nicht impfen können). Sagen Sie am besten "Influenza" statt Grippe, dann ist klar, was gemeint ist.
impfen_randbild2 Kränker durch Impfung? Manchmal hört man, dass jemand nach einer Impfung erst richtig krank geworden ist: häufig wird dann von starker Mattigkeit, Müdigkeit und Gelenkschmerzen berichtet. Tatsächlich erzeugt das Immunsystem diese Symptome selbst. Wir nennen sie "Gripoid" (oder "Grippoid") und es ist ein Trick des Immunsystems, denn nun werden alle Ressourcen für die Bildung von Antikörpern und Immunzellen verwendet, da ja der "Besitzer" des Körpers lahm gelegt ist. Gleichwohl muss man auch bei Impfungen immer berücksichtigen, wie stark die wirkliche Krankheit den Körper schädigen kann und dies muss man vergleichen mit der Belastung, die eine Impfung immer auch bedeutet. Es ist völlig normal, dass eine Impfung eine gewisse Belastung darstellt. Für zwei oder drei Tage fühlt man sich nicht so gut, manche haben auch Kopfweh und etwas erhöhte Temperatur. Aber wenn man diese Symptome mit der wirklichen Krankheit Grippe (oder eben besser "Influenza") vergleicht, so ist natürlich die wirkliche Krankheit eine viel größere Belastung und Gefahr für den Menschen.
Weitere Impfungen, die das BAG den Beschäftigten im Gesundheitswesen empfiehlt.
Sich regelmäßig gegen Tetanus impfen zu lassen, ist sicher sehr klug. Der Erreger, das Bakterium Clostridium tetanie, ist in einer Dauerform überall im Erdreich vorhanden und kann bei kleinsten Hautverletzungen in den Körper eindringen. Das gefährliche beim Wundstarrkrampf ist das Gift, das dieser anaerobe Keim im Körper bildet: Tetanospamin ist ein Neuro-Toxin, das Krämpfe bis hin zum Erstickungstod herbeiführt. Bei einer Tetanusinfektion können wir auch heute nur wenig tun. Die Impfung sollte wenigstens alle 20 Jahre wiederholt werden.
Gemeinsam mit dem Tetanusimpfstoff wird heute noch immer gegen Diphtherie geimpft. Obwohl die Krankheit in Mitteleuropa sehr selten geworden ist, wird sie doch immer wieder aus Osteuropa und Asien zu uns gebracht. Wieder ist es ein Toxin, das ausser einer süsslich riechenden Mandelentzündung wieder schwere Lähmungserscheinungen, aber auch Herzmuskelentzündungen hervorrufen kann. Der Diphterie-Impfstoff ist heute fast 100 Jahre alt und er enthält ein durch Formaldehyd inaktiviertes Diphterie-Toxin, das als Adjuvans an Aluminium gebunden ist.
impfenRandbild3 Adjuvans: Ein Hilfsstoff, der die Erkennung durch Makrophagen erleichtert. Bei der 2009 aufgetretenen Form der Influenza ("Schweinegrippe") wurde zuerst ein Impfstoff entwickelt, der fast nur aus kleinen Hülleiweiss-Partikeln bestand und der kaum eine Immunreaktion hervorrief. Nach ein paar Monaten konnte dann ein durch ein Adjuvans verstärkter Impfstoff fertiggestellt werden. Und dieser Impfstoff wurde, weil das Adjuvans in der Regel etwas sehr Körperfremdes ist, von den Makrophagen sehr gut erkannt. Diese präsentieren dann den T Lymphozyten, was sie da Fremdes gefunden haben. Und die T Lymphozyten wiederum stossen dann die ganze Immunreaktion an.
Hepatitis A
Das BAG empfiehlt den Beschäftigten im Gesundheitswesen, sich auch gegen Hepatitis A impfen zu lassen. Die Hepatitis A ist ja eigentlich eine recht harmlose Virushepatitis, denn das Hepatitis A Virus ist nicht besonders hepato-toxisch. Die Krankheitszeichen, wie starke Abgeschlagenheit, Cola-farbener Urin und (bei 2/3 der Erkrankten) auch eine Gelbsucht, entstehen durch das Immunsystem selbst: Wieder erkennen die Makrophagen, dass da etwas Fremdes ist, dass nämlich die Hepatozyten von einem Virus befallen sind. Und die Makrophagen alarmieren wieder vorbeikommende T Lymphozyten, welche sich vermehren und zum Teil zu T Killerzellen differenzieren. Und diese zytotoxischen T Killerzellen töten Virus-befallene Hepatozyten und erzeugen so das Krankheitsbild. Für ansonsten gesunde junge Menschen ist eine Hepatitis A Infektion bei einer Rucksack-Reise durch Asien z.B. ärgerlich aber nicht wirklich gefährlich, denn die Hepatitis A kann nur als akute Hepatitis auftreten. Sie hat also keine fulminante oder chronische Form. Für einen alten oder zusätzlich noch kranken Menschen kann eine Hepatitis A aber durchaus gefährlich werden, denn die Leberfunktion wird stark eingeschränkt. Eine Impfung gegen Hepatitis A verhindert auch, dass die Viren übertragen werden können.
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Meningokokken, sowie Keuchhusten, Pneumokokken und Varizellen
Eine Impfung gegen Meningokokken, die übrigens als "ergänzende Impfung" auch der Allgemeinbevölkerung vom BAG empfohlen wird, wird auch den BiG angeraten. Von den Meningokokken existieren verschiedene Sero-Gruppen, die auf dem Planeten unterschiedlich verteilt sind. Jeder Zehnte in Mitteleuropa trägt diese Bakterien, die korrekt eigentlich Neisseria meningitidis heissen, völlig symptomlos im Nasen-Rachen-Raum. Kommen diese Neisserien aber bei schwacher Abwehrlage ins Blut oder in den Schädelinnenraum, so kann eine Sepsis oder eine schwere eitrige Hirnhautentzündung entstehen, die tödlich enden kann. Für Kinder und Jugendliche wird in der Schweiz der MCV-C Impfstoff verwendet. Er richtete sich gegen den Serotyp C. Als Adjuvans ist er an Aluminium geknüpft. Bei Bedarf wird der Impfstoff MCV-ACWY verwendet: bei Sub-Sahara-Reisen, für Risikopatienten und für Beschäftigte im Gesundheitswesen. Er schützt auch vor den Sero-Gruppen A, W und Y. Zu dem existiert ein Polysaccharid-Impfstoff, der allerdings sich nicht als so gut erwiesen hat.
Genauso wie die Allgemeinbevölkerung sollten Beschäftigte im Gesundheitswesen auch gegen Keuchhusten, Pneumokokken und Varizellen geimpft sein.
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