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 Lesestoff zur Anatomie, Physiologie und Medizin
 
svhnitt Arnold van de Laar "Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen", aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke, Pattloch München 2015, ISBN 978-3-629-13072-3

Tatsächlich ist van de Laars Buch voller Überraschungen und fröhlicher Wendungen, man kann es wirklich wie einen Krimi lesen. Und in jedem Kapitel gibt es eine (entspannt und locker gemachte) "Lern-Ecke", einen Kasten, über z.B. "Blutkreislauf" oder "Lage und Richtung im Körper".
Richtig klasse ist z.B., wie er im Kapitel 8 "Lucy und die moderne Chirurgie" plaudernd erläutert, wie ein Konstruktionsfehler des "Affenkörpers" mit der Aufrichtung unserer Vorfahren die Varizen entstehen lässt und schildert dann die verschiedenen Methoden der chirurgischen Behandlung. Zugleich ist es eben auch nicht nur "chirurgisch", es ist - sehr menschlich, was und wie van de Laar schreibt. Hier eine Leseprobe:

 

 
darm_seiderer Julia Seiderer-Nack "Was passiert im Darm?" Südwest Verlag / Random House, München 2014

Die meisten Ratgeber zum Thema Verdauung und Ernährung sind nicht zu empfehlen. - Frau Seiderers Buch "Was passiert im Darm?" ist eine leuchtende Ausnahme. Es ist gut! Es ist sogar sehr gut: Auf moderner, naturwissenschaftlicher Basis werden Verdauungsbeschwerden und Krankheiten besprochen, es wird erläutert, wie die Krankheit entsteht und behandelt werden kann, und es wird mit gängigen Irrtümern aufgeräumt. Der einzige Schatten wird durch homöopathische Tipps geworfen, aber es bleiben eben nur Hinweise - und mit D12 ist die Vergiftungsgefahr gering. Abgesehen davon: Ein wirklich guter Ratgeber zum Thema Darm!

 
Simon Singh und Edzard Ernst "Gesund ohne Pillen - Was kann die Alternativmedizin?" dt. Übersetzng Klaus Fritz, Hanser Verlag München 2009
Wenn Sie sich auch gelegentlich fragen, wie Akupunktur eigentlich funktioniert, oder ob Sie nicht doch bei der nächsten Erkältung Zinnober-Globuli schlucken sollten, dann ist dies Ihr Buch! - Man lernt aber noch viel mehr: Wie kann man eigentlich nachweisen, ob etwas wirkt oder nicht? Wieso ist es so schwierig, einen klaren Beweis zu finden, dass etwas hilft? Der englische Titel "Trick or Treatment?" ist etwas näher am Inhalt, eben daran, wie man Wirksamkeit wissenscahftlich nachweisen kann. Edzard Ernst ist Professor für Alternativmedizin in England und hat jahrelange Forschung zu diesen Themen gemacht - ein klasse Buch, das wach und kritisch macht! Super!
 
"Mensch - Körper - Krankheit. Anatomie, Physiologie, Krankheitsbilder" R. Huch und K.D. Jürgens [Hrsg.] Elsevier / Urban & Fischer München, 6. Aufl. 2011
Dieses Lehrbuch für die Studierenden der Gesundheitsberufe eignet sich auch als "Lesebuch" für interessierte Laien. Mit schönen Bildern und durchgend gut lesbarem Text, mit Erläuterungen zu einzelnen Themen, aus dem Alltag oder aus der Krankenpflege, ist es ein ganz reiches Buch geworden. Ob "Ernährung" oder "Herz-Kreislauf-Erkrankungen", ob "Entwicklung", "Chemie" oder "Notfälle", jedes Thema kann für sich stehen und bietet einen schönen, breiten Überblick und viele Detail-volle wirklich gute Einzelaspekte. Ein wirklich gelunges Buch!
 
Michael Yarus "Life from an RNA World - The Ancestor within" Harvard University Press Oxford 2012 (vorerst nur auf Englisch)
Yarus, Harvard-Professor im ganz frischen Ruhestand, schildert hier die "RNS-Welt", also jene Zeit vor dem Entstehen von Zellen auf unserem Planeten. Und er tut das, indem er weit ausholt und spannend und kurzweilig zugleich die Notwendigkeit erläutert, diese frühe Lebens-Vor-Welt wissenschaftlich als Faktum anzunehmen. Und er schildert die wissenschaftlichen Schritte, die zu dieser RNS-Welt-These führen. Wenn Sie dieses Buch, was vorerst nur auf Englisch vorliegt, nach und nach durcharbeiten (denn das muss man dann schon, es ist anspruchsvoll), dann blickt man wirklich durch das Leben einer heutigen Zelle in diese frühe Zeit zurück: Absolut spannend. Und noch: Es ist für interessierte Laien geschrieben - und das geht auf! Ein super Buch!
 
Till Roenneberg "Wie wir ticken - Die Bedeutung der Chronobiologie für unser Leben" Dumont Verlag, Köln 2012 (Taschenbuch)
Roenneberg, geb. 1953, ist Hochschullehrer und einer der Pioniere der Chronobiologie. Gerne erzählt er - und diese Freude wirklich springt über. Gerne las ich dieses Buch, das mit Fallgeschichten und Anekdoten die Erforschung der Inneren Uhr schildert. In den Fussnoten versucht er, Mini-Vorlesungen über bestimmte Themen der Genetik unterzubringen, was vielleicht manchmal etwas zu viel ist - aber das kann man auch gut einfach überspringen, wenn's einen stört. Davon abgesehen ist es eine leicht zu lesende und spannende Schilderung der Erforschung der geheimnisvollen Tacktgeber unseres Körpers, wirklich sehr lesenswert, kurzweilig und lehrreich zugleich.
 
Mark Henderson "Genetik - 50 Schlüsselideen" Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010
Falls Sie sich für Genetik interessieren, sich aber leicht im Dschungel der vielen wissenswerten Details verlieren, dann ist vielleicht dieser sehr gelungen Führer von Mark Henderson eine echte Hilfe: In angenehmen Plauderton führt Henderson den Leser an einer Zeitleiste (die tatsächlich auch am Fuss der Seiten zu sehen ist) durch die Ideen-Geschichte, durch die Geschichte der Fragestellungen und Experimente der Genetik. Auf diese Weise entsteht eben eine Geschichte mit vielen einzelnen faszinierenden Episoden, und daran im Lesen seine eigenen Vorstellungen abwandelnd - das ist der Reiz und die Leistung dieses hübschen Sachbuches. Ein gutes Konzept, das der Verlag auch mit anderen Themen durchspielt.
 
Michael Bulgakow "Arztgeschichten" Erzählungen. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Sammlung Luchterhand / Random House München 1993. 2. Auflage
Wie verloren und verzweifelt-leichtsinnig das traditionelle Geschäft des Arztes ist, zeigen diese autobiografischen Erzählungen von Bulgakow, der in den 1930er Jahren ein berühmter und final von Stalin verdammter Theater-Autor wurde, zunächst aber Medizin studiert hatte und dann in der Steppe irgenwo als Arzt arbeitete. Kurz nach der Oktoberrevolution spielen diese autobiografischen Geschichten über einen kaum zwanzig-jährigen Arzt, der in der sibirischen Einsamkeit seiner Praxis eigentlich nur durchkommt, weil die menschliche Natur eben doch sehr zäh ist. Anders als Fiktionen wie Gordons "Medicus" ist die von Bulgakow geschilderte Welt real gewesen. So bitter das ist, was geschildert wird - so anrührend ist auch die Verzweiflung des zum Handeln sich verpfilchtet fühlenden jungen Arztes.
 
Gero Vogl "Wege des Zufalls - Tanz der Atome, Invasion neuer Arten, Ausbreitung von Seuchen und Sprachen" Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2011
Hier kommt mal ein Physiker zu Wort - einer, der sich als Hochscullehrer mit Diffusion befasst hat. Und darüber geht das Buch, über die Verteilung von Etwas im Raum - und von der Erforschung dieser Phänomene. Gero Vogl erzählt, aus seinem Uni-Leben und von seinen Reisen, zu Kollegen und in die Vergangenheit. Ein spannendes Buch über ein Thema, das im Unterricht, besonders von engagierten aber ungelenken jüngeren Kollegen, schnell irgendwie spröde wird. Wer das Thema selbst unterrichten (muss) - hier ist viel Schönes zu finden!
blabla
V.S. Ramachandran "Die blinde Frau, die sehen kann" Rowohlt 2002 (Original: "Phantoms in the brain - probing the mysteries of human mind" Harper)
"Rama" ist (wie Oliver Sacks oder Manfred Spitzer) ein berühmter Neurologe, der sich als Wissenschaftler mit dem Phänomen des Phantom-Gliedes befasst hat. So ähnlich wie Phantom-Schmerzen in zB. einem amputierten Fuss empfunden werden können, so können auch ganze Arme oder Beine von unserem Hirn "fantasiert" werden - und zu erheblicher Beeinträchtigung des Lebensgefühls beitragen. Das Spannende an diesem Buch sind die vielen (anonymisierten) Krankengeschichten - die mal vom "blinden Sehen" oder den zum Totlachen gereizten Corpora mammillaria handeln - und die stets wie Krimis erzählt werden und deren neurobiologischer Hintergrund aufgeklärt wird. Ein tolles Buch!
 
Neil Shubin "Der Fisch in uns: Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers" Fischer 2009 (Original: "Your inner fish" Vintage)
Shubin ist ein richtiges Anatomen-Urgestein, insofern er die traditionellen Techniken dieses Faches alle von der Piecke auf gelernt hat. Das hat mich ganz persönlich erfreut zu lesen. Aber eigentlich ist das Buch deshalb spannend, weil es auch zeigt, wie "man" Wissenschaft macht: Planvoll werden mögliche Fundorte für ein bestimmtes Fossil durchdacht und dann erst gezielt eine Untersuchung vor Ort gestartet. Und tatsächlich: Shubin' s Gruppe findet einen ganz frühen Vierbeiner. Wie "Rama" ist übrigends auch Shubin mit Vorlesungen auf YouTube zu finden.
bla
Michael Gershon "Der kluge Bauch" Goldmann 2001 (Original "The second brain - A groundbreaking new understanding of nervous disorders of the stomach and intestine" Harper)
Trotz des reisserischen englischen Titels ist dieses Buch wirklich ein Schatz: Zunächst erzählt wieder ein "alter" Forscher aus seinem (wirren) Leben im jüdischen Ostküsten-Amerika. Schon allein das ist super zu lesen. Dann schildert er recht plastisch den "Weg der Nahrung", wie "man" das auch gerne in Vorlesungen tut, nur eben viel ausschweifender als das vor Publikum möglich wäre. Der letzte Teil hat leider auch einen kleinen Stachel: da merkt man dann doch, dass er dem Serotonin zu viel Raum gibt und Erfolge der Forschung erträumt, die nicht eintraten und wo er ziemlich deneben gelegen ist mit seinen Wünschen vor über 10 Jahren. Aber naja, irren ist menschlich...
bla
 
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